Dienendes Finanzwesen

Die Finanzwirtschaft hat dem Ziel der Mehrung der Lebensfülle durch die Realwirtschaft zu dienen. Einige Schlüsselpassagen zu diesem Thema aus meinem Buch Wirtschaft neu erfinden geben Aufschluss über meine Fragestellungen zu diesem Thema.

Wenn Geld Mittel zum Zweck ist, dann sind Finanzdienste das Mittel zur Beschaffung des Mittels zum Zweck. Als solches hat die Finanzwirtschaft eine dienende Funktion, ähnlich wie die Achse eines gut geölten und justierten Rads. Ein solches Rad verursacht kaum Energieverluste und erlaubt die leichte Kontrolle des Fahrzeugs; man denkt beim Fahren kaum an das Rad und schon gar nicht an die Achse. Auf ähnliche Weise würde ein gut funktionierendes Finanzwesen einen minimalen Anteil des BIPs ausmachen und Preisschwankungen rasch ausgleichen. Von diesem Idealbild ist die gegenwärtige Finanzwirtschaft Lichtjahre entfernt, denn sie hat sich zur Herrscherin der Wirtschaft aufgeschwungen, statt ihr zu dienen. Sie verschlingt Ressourcen, anstatt dazu beizutragen, Ressourcen effizient im Sinne der Lebensfülle zu verwenden. Auch hier haben sich Mittel und Zweck verkehrt. (S. 185)

Als Zirkulationsmittel der Gesellschaft und als Träger gesellschaftlichen Wertes ist Geld Teil der lebensnotwendigen Infrastruktur einer jeden heute existierenden Gesellschaft. Auch die Verkehrswege und Häfen dieses Geldes, also die Finanzinstitutionen, gehören zu dieser Infrastruktur. Wer von ihr ausgeschlossen wird, hat kaum wirtschaftliche Chancen. Es wäre also nichts weiter als konsequent, diese Infrastruktur als jedem zugängliche öffentliche Infrastruktur zu gestalten. (S. 186)

Man könnte sich das Finanzwesen ähnlich vorstellen wie einen Verkehrsverbund, in dem viele verschiedene Verkehrsunternehmen, darunter auch private, eine einheitliche Tarifstruktur entwickeln, ihre Angebote aufeinander abstimmen, und Verfahren zur Verteilung der Einnahmen vereinbaren. Aus Sicht des Kunden erscheint der Verkehrsverbund als ein einheitliches System, obwohl er aus vielen verschiedenen Subunternehmen besteht. Auf analoge Weise könnten die verschiedenen, historisch gewachsenen Strukturen des Finanzsystems als öffentliche Infrastruktur integriert werden. (S. 186)

 

 

 

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