Selbstbestimmter Gemeinwohldienst: Übersicht

In meinem Buch Wirtschaft neu erfinden schlage ich die Einführung eines „selbstbestimmten Gemeinwohldienstes“ (SGD) vor, als eine alternative soziale Absicherung, die Menschen dazu animiert, sich im Sinne des Gemeinwohls zu engagieren, und sie für dieses Engagement bezahlt. Das Konzept habe ich im März 2018 bei „Urban Innovation“ Heidelberg vorgestellt; der Vortrag wurde in diesem Video aufgezeichnet (ab 1:08:49 anschauen!).

Ein selbstbestimmter Gemeinwohldienst würde die gravierenden Nachteile der gegenwärtigen Grundsicherung vermeiden und wäre an keine Bedürftigkeitsprüfung gebunden, sondern nur an die Bereitschaft, Teilzeit einer selbstgewählten Tätigkeit im Sinne des Gemeinwohls nachzugehen. Es wäre erlaubt, außerdem einer weiteren Erwerbsarbeit in Teilzeit nachzugehen, aber die Gesamtzahl der Arbeitsstunden sollte die Arbeitsstunden einer Vollzeitstelle nicht übersteigen. Der SGD könnte auch jenen helfen, die noch nicht in eine finanziell fast aussichtslose Lage gekommen sind, könnte soziale Notlagen also tatsächlich vermeiden und nicht nur nachträglich abfedern.

Die Grundelemente eines selbstbestimmten Gemeinwohldienstes in Deutschland habe ich wie folgt dargelegt; sie können aber natürlich noch weiterentwickelt werden:

Ein selbstbestimmter Gemeinwohldienst in Deutschland könnte wie folgt ausgestaltet werden: jeder Mensch mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland habe die Möglichkeit, eine Halbzeitarbeit im Sinne des Gemeinwohls zu verrichten und dafür 1000 Euro im Monat zu verdienen. Wer einen SGD leisten will, erklärt bei einer kommunalen Behörde per Antrag, welche Arbeit er leisten will. Zum Beispiel kann er bei einem gemeinnützigen Verein eine soziale oder umweltschützende Tätigkeit ausüben oder ein eigenes soziales Projekt in der Nachbarschaft starten oder ein wissenschaftliches oder künstlerisches oder kulturelles Projekt initiieren. Außerdem soll er darstellen, wie und von wem seine Leistung belegt werden soll und wie seine Tätigkeit regulär bezahlte Beschäftigungsverhältnisse bei bestehenden Institutionen ergänzen und nicht duplizieren wird. Im Falle einer Arbeit im Rahmen einer bestehenden gemeinnützigen Organisation kann jemand aus dieser Organisation die Arbeitsleistung belegen. Im Falle von individueller Projektarbeit können entweder die Menschen, denen die Leistungen zugutekommen, oder die Leute, mit denen die Gemeinwohldienstleistende regelmäßig zusammenarbeitet, ihre Leistung belegen. Nach Bewilligung des Antrags fängt die Antragstellerin mit dem SGD an; sie darf gleichzeitig bis zu Halbzeit einer anderen Erwerbsarbeit nachgehen. Im Falle einer Ablehnung kann sie mit Unterstützung der betreffenden Behörde ihren Antrag überarbeiten und erneut einreichen (S. 211-212).

Potenzielle Vorteile eines SGD wären Folgende:

  1. Entlastung des Arbeitsmarktes zugunsten der Arbeitenden, besonders von Leuten, die wenig verdienen.
  2. Gerechtere Einkommensverteilung,
  3. Wertschätzung der Beiträge der Gemeinwohldienstleistenden,
  4. Förderung des Gemeinwohls durch die Arbeit der Gemeinwohldienstleistenden,
  5. Förderung sozialer Innovation,
  6. Berufliche Qualifizierung,
  7. Effektiver Einsatz öffentlicher Mittel,
  8. Abschwächung von Rezessionen.

Auf der zweiten Seite zum selbstbestimmter Gemeinwohldienst gibt es vertiefende Fragen und Antworten.

Kommentare sind geschlossen